|
Soll ich - oder
soll ich nicht? Von
Heilpraktiker Dieter Hahn
"Nun entscheide dich doch
endlich!" Diese Aufforderung hören wir, gesprochen von
einer ungeduldigen inneren Stimme, häufig in Situationen, in
denen wir unschlüssig und untätig an einer Stelle
verharren. Die Stimme traktiert uns bei unwichtigen Dingen, und sie
quält uns ganz besonders hartnäckig, wenn es wirklich um
Etwas geht.
Unentschlossene verfügen über eine
unabsehbare Reihe von Einwänden, die nicht vor den Grenzen des
sicheren Wissens haltmachen, sondern ewig neue Argumente aus den
Untiefen der Unwissenheit schöpfen können. Wie es
scheint, meldet sich diese Stimme heute viel intensiver und
häufiger, als es noch vor Generationen der Fall war.
Entscheidungsschwierigkeiten sind natürlich nichts Neues. Das
Problem besitzt heute eine neue Dimension: Viele Unentschlossene
würden liebend gern eine Wahl treffen, aber sie sind nicht in
der Lage zu entscheiden. Ihr Handeln ist blockiert. Frühere
Generationen mußten oft vorgezeichnete, von anderen
vorgegebene Wege gehen, sie brauchten nicht zu überlegen,
welche Lebensform und welche Lebensinhalte für sie die
richtigen waren. Vieles, was sie entschieden, war gar keine
wirkliche Wahl. Sie taten dieses oder jenes, weil es so üblich
war, oder auch, weil sie aufgrund ihres Standes, ihres Geschlechts
oder ihrer Bildungschancen schlicht gar keine anderen
Möglichkeiten hatten.
Sicher beeinflussen auch in unserem Leben die Gesellschaft, die
Familie, das Schicksal oder der Zufall, welchen Weg wir
einschlagen. Sich entscheiden ist zur großen Herausforderung
unserer Zeit geworden. So mancher kapituliert denn auch vor ihr,
trifft lieber keine Entscheidung, und muß dann erleben,
daß andere über ihn bestimmen. Oder entscheidet etwas,
nur damit entschieden ist - und bereut später seinen
Schritt.
Vielen Menschen scheint abhanden gekommen zu sein, was eigentlich
zu unserem evolutionären Erbe gehört: die Fähigkeit,
sich klug zu entscheiden. Für die Menschen früherer
Zeiten hing ihr Überleben von der richtigen Entscheidung ab:
Sind die Beeren giftig oder genießbar? Ist der Schlafplatz
sicher, oder könnten wilde Tiere angreifen? Hätten sich
unsere Vorfahren zu oft falsch entschieden, wäre es um die
Menschheit heute schlecht bestellt.
Grundsätzlich also können wir uns entscheiden, die
Fähigkeit dazu besitzen wir. Wir wurden aber allmählich
zu Entscheidungsscheuen, zu Unentschiedenen, vor allem aus dem
Wunsch heraus, Fehler zu vermeiden. In dieser Lage kommt uns die
Wiederentdeckung der Intuition gerade recht. Sigmund Freud hat
erkannt: Bei Entscheidungen sollte der Entschluß aus dem
Unbewußten kommen, aus etwas in uns selbst.
Dieses unbewußte Etwas war lange Zeit ein Synonym für
Intuition, für jene geradezu geheimnisvolle Gabe, fast
instinktiv das Richtige zu tun. So meldet sich in kritischen
Situationen das berühmte "Bauchgefühl", das
wiederum nur der körperliche "Marker" für das
verborgene Wissen ist. Wenn wir es gebührend zur Kenntnis
nehmen, kann es nach Abwägung aller vernünftigen Pros und
Kontras den Ausschlag geben.
Persönlich nehme ich von jedem etwas und habe unter anderem
meinen Verstand zum Kapitän meines Lebens gemacht, und diese
Entscheidung hat sich bis heute bewährt. Also passen Sie gut
auf, denn in nächster Zeit müssen Sie sich wieder
entscheiden.
|